Von der Arbeit auf die Couch – Die Boxenstopp-Falle

Ein Boxenstopp ist die Phase, in der ein Rennwagen anhalten muss, um zu tanken oder neue Reifen zu bekommen. Danach geht das Rennen sofort weiter. Ähnlich ist es im beruflichen Alltag. Wenn man nicht aufpasst, führt ein freier Abend, ein Wochenende oder ein Urlaub dazu, einzig und allein deshalb einen Stopp einzulegen, um anschließend am Arbeitsplatz wieder zu funktionieren. Wenn man von der Arbeit kommt und sich einfach nur auf die Couch legt, tappt man in die Boxenstopp-Falle.

Nur froh, nicht auf Arbeit zu sein

Häufig hat man es schon von sich selbst oder anderen gehört, wie schön es doch ist, einfach mal nichts zu tun und es zu genießen nicht auf Arbeit zu sein. Doch ist das wirklich so oder hat man tatsächlich nichts mit seiner freien Zeit anzufangen gewusst, außer Dinge zu erledigen und fernzusehen? Sollte das der Fall sein, so ist man in die Boxenstopp-Falle getappt.

Dabei ist es alles andere als sinnvoll, seine freie Zeit abseits der Arbeit lediglich als Möglichkeit zu sehen, die Akkus aufzuladen, um am nächsten Tag wieder produktiv zu sein. Denn so verfällt man in eine Feierabend-Lethargie. Anstatt seine Zeit aktiv zu gestalten und sich wirklich zu erholen, ergibt man sich dem passiven Konsum vor dem Fernseher.

Natürlich ist es verlockend und fordert nicht viel Überwindungskraft, die zehnte Wiederholung der Vorabendserie auf sich einrieseln zu lassen. Und selbstverständlich kann es auch interessant sein zu erfahren, wie viel Bargeld man noch für alte und seltene Dinge bekommen kann. Aber wirklich körperlich und geistig erholt fühlt man sich danach nicht.

„Ich kann nicht, ich muss morgen wieder arbeiten“ bietet uns in solchen Momenten zusätzlich noch eine hervorragende Ausrede und Rechtfertigung dafür, unsere freie Zeit nicht aktiv gestalten zu müssen. Um dabei wirklich in den Modus des Handelns zu kommen, ist es zunächst wichtig zu verstehen, wie tatsächliche Erholung funktioniert.

Der Wechsel von Anspannung und Entspannung

Der Alltag ist geprägt von ständiger Belastung und unterschiedlichen Anstrengungen. Immer wieder will irgendwer etwas, der nächste Termin steht an und das eine muss jetzt unbedingt auch noch erledigt werden. Bis hierhin ist es soweit auch noch nicht kritisch, denn der menschliche Körper und auch der Geist können solche Belastungen ertragen. Dabei laufen sie sogar immer wieder zu Höchstleistungen auf.

Gefährlich wird es erst dann, wenn nach einer Anspannung die folgende Entspannung, also die Erholung zu kurz kommt. Dies geschieht, wenn man von einem Termin in den nächsten springt oder von einer Erledigung zur anderen übergeht, ohne sich zwischendurch eine Ruhepause zu gönnen. Denn ohne eine zwischenzeitliche Ruhepause erreicht man keine Entspannung und die folgende neue Anspannung baut auf einem eh schon erhöhten Stresslevel auf. Die Phasen der Anspannung und der Entspannung müssen sich in Wage halten, um keine körperlichen oder psychischen Überbelastungen zu riskieren.

Ab einem gewissen Punkt wird es nahezu unmöglich überhaupt noch einen Zustand der Entspannung und Erholung zu erreichen. Ein gutes Kontrollmittel für das eigene Stresslevel ist, neben etwaigen Schlafstörungen, die Analyse der Wochenendgestaltung. Dient das Wochenende hauptsächlich dazu, unter der Woche liegen gebliebene Erledigungen abzuarbeiten und fühlen sich Treffen mit Freunden und Familie wie eine terminliche Verpflichtung an, sollte man hellhörig werden.

Bedauerlicherweise ist die westliche Gesellschaft stark davon geprägt sich von einer freien Zeit zur anderen zu hangeln und alles dazwischen irgendwie zu überstehen. Sei es von Jahresurlaub zu Jahresurlaub oder von Wochenende zu Wochenende. Selbst im Radio wird man ständig damit konfrontiert, wie viele Tage es noch bis zum Wochenende sind und dass das ganze ja am Montag schon wieder von vorn startet. In einer gewissen Weiße lässt sich ja daran auch nicht viel ändern, umso wichtiger ist es, die freie Zeit aktiv zu gestalten und sich zu erholen.

Eine Orientierungshilfe für die freie Zeit

Damit der Feierabend oder das Wochenende nicht einfach in trister Lethargie enden, bedarf es trotz allem ein wenig Eigeninitiative. Leider gibt es kein Patentrezept, wie man sich nach getaner Arbeit richtig erholt. Aber folgende Einteilung kann eine funktionierende Orientierungshilfe sein, die freie Zeit sinnvoll zu nutzen.

Zehn Prozent Ausruhen, Entspannen und Kräftesammeln

Die Arbeit laugt aus, keine Frage. Deshalb ist es notwendig sich auch ein bisschen zu verwöhnen und alle fünfe gerade sein zu lassen. Dabei kann man ohne schlechtes gewissen einen sinnfreien Film auf Netflix oder eine Folge der Vorabendserie anschauen. Man kann einen Comic oder einen seichten Roman lesen oder schlicht lange ausschlafen. Wichtig ist, diese Phase nicht zum Hauptbestandteil der freien Zeit werden zu lassen, sich klare Grenzen zu setzen und rechtzeitig wieder damit aufzuhören. Andernfalls landet man direkt wieder in der beschriebenen Boxenstopp-Falle.

Sechzig Prozent echt Freude

Der beste Weg, um seine freie Zeit zu nutzen, besteht darin Spaß zu haben. Von dieser Zeit sollte man sich keinen Anteil durch nichts tun, ausruhen oder kräftesammeln wegnehmen lassen. Besorgungen oder Alltagsangelegenheiten sollten diese Zeit ebenfalls nicht schmälern. Diese Zeit ist dafür da, um sie mit der Familie und Freunden zu verbringen, um Erfahrungen zu machen, etwas Neues kennenzulernen. Man kann in die Natur gehen, Sport treiben, alle Annehmlichkeiten und die Fülle des Lebens genießen. Das ist die beste Art, respektvoll mit der Zeit umzugehen, die einem zur Verfügung steht. Denn egal was in Zukunft dann noch geschieht, die Zeit bis dahin hat man genossen.

Dreißig Prozent Kreativität

Es geht bei allen wichtigen Tätigkeiten auch immer darum, die Kreativität im eigenen Leben zu erhöhen. Die freie Zeit ist eine Unterbrechung, eine Lücke im Alltag und bietet so eine hervorragende Möglichkeit dazu. Kreativität bedeutet dabei nicht, dass man sich hinsetzen und ein Bild malen soll. Natürlich ist das auch eine Möglichkeit, aber bei weitem nicht die einzige.

Bei Kreativität kann es darum gehen, das eigene zu Hause zu gestalten, sodass es zu einem echten Lebensmittelpunkt wird, in dem man sich wohlfühlt. Es kann darum gehen, neue kulinarische Dinge zu kreieren und einfach mal wieder zu kochen. Aber auch langfristige kreative Möglichkeiten, die man weiterspinnen und verfolgen möchte, finden in dieser Zeit ihren Platz. Ganz egal was es ist, es wird irgendwann immer sichtbarerer werdende Früchte tragen. Und ganz nebenbei stellt kreativ – und produktiv – sein, einen signifikanten Kontrapunkt zur allgegenwärtigen Konsumkultur dar.

Das alles kann man nach den eigenen Bedürfnissen justieren und anpassen. Dabei ist jedoch höchste Aufmerksamkeit geboten, um nicht in die Boxenstopp-Falle zu tappen. Wenn man diesen Plan aber halbwegs beherzigt, sollte dieses Problem vermieden werden können. Dann erobert man sich einen persönlichen Freiraum jenseits der Arbeitszeit und schafft Platz für echte Erholung.

4 Gedanken zu „Von der Arbeit auf die Couch – Die Boxenstopp-Falle“

  1. Interessantes Thema!
    Ich gebe zu das ich mir darüber noch nie Gedanken gemacht habe…
    Erschreckender weise musste ich erkennen das ich viel zu viel Zeit in der Boxengasse verbringe;-)
    LG
    Stephan von Blindfuchs.de

    Antworten
  2. Von der „Boxenstopp-Falle“ habe ich noch nie etwas gehört und finde die Wortschöpfung allein schon ziemlich kreativ. Ich selber gehöre schon länger nicht mehr zu der Kategorie einfach mal so aufs Sofa plumpsen und Glotz an. Momentan bin ich nach Feierabend im Homeoffice viel lieber draußen mit dem Hund und abends tauche ich gern in fremde Welten mithilfe von Büchern ab.
    Aber ich kann gut verstehen, warum viele in die „Boxenstopp-Falle“ tappen. Daher regt der Artikel super zum Nachdenken an.

    Liebe Grüße
    Mo

    Antworten
  3. Guten Abend!
    Die „Boxenstopp-Falle“ klingt tatsächlich kreativ und ich habe mir den Boxenstopp redlich verdient. Ich lese dann aber sehr gerne, denn Fernsehen schauen ich sehr, sehr selten und wenn eine Netflix Serie.

    Liebst,
    Sandra Belle

    Antworten
  4. Huhu,

    oh, da habe ich nun echt einige neue Dinge gelernt, weil ich mich nie damit auseinandergesetzt habe. Ich habe mich ertappt, dass ich meinen Feierabend doch etwas besser strukturieren könnte… und nutzen.

    LG
    Steffi

    Antworten

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