Wiedereröffnung der Chemnitzer Clubszene – Interview mit Rico „Snax“ Rupf

Rico Rupf, besser bekannt als DJ Snax, startete seine berufliche Laufbahn als klassischer Maschinenbauer. Nachdem er sein Hobby zum Beruf gemacht hatte, ist er nun Geschäftsführer des Brauclub und eine feste Größe des Chemnitzer Nachtlebens.

Was mich schon lang interessiert, wie ist der Name Snax entstanden?

Es hat auf jeden Fall nichts mit Süßigkeiten, Riegeln oder Snacks zu tun. [lacht] Es gab früher Snaga und Pillath, ein Rapduo aus dem Ruhrgebiet. Das ist mindestens 15 Jahre her. Pillath hatte zu Snaga immer „Snags“ gesagt. Und weil ich damals Fan war, ist dadurch der Name entstanden. Es ist also nichts Offensichtliches, man muss sich schon in der Hip-Hop Szene auskennen, um darauf zu kommen.

Du hast Werkzeugmacher gelernt, bist aber mittlerweile als Geschäftsführer des Brauclub Chemnitz tätig. Wie kam dieser berufliche Wandel?

Ich hatte vor dem Werkzeugmacher sogar noch eine Lehre zum Automatisierungstechniker gemacht. Nach anderthalb Jahren war mir das dann aber schon recht schnell zu viel persönlicher Stillstand, sodass ich anschließend noch eine Ausbildung zum Techniker im Maschinenbau abgeschlossen habe. Ich muss für mich immer sehen, wie kann ich mich weiterentwickeln. Ansonsten wird es schwierig. Nebenbei hatte ich schon seit meiner Jugend als DJ gearbeitet, was dann immer und immer mehr wurde. Schließlich kam ich an den Punkt, wo ich mich entscheiden musste. Reichen die Aufträge als DJ, um davon leben zu können, oder arbeite ich weiter in dem Bereich, was ich über zehn Jahre gelernt hatte. Ich habe mich für den wohl schwierigeren Weg entschieden und mich als DJ selbstständig gemacht. Irgendwann war auch das wieder zu langweilig und ich habe zusätzlich noch begonnen, eigene Veranstaltungen zu organisieren. Nach acht Jahren Selbstständigkeit kam dann Corona und nichts ging mehr in der Veranstaltungsbranche. Zum Glück hatte ich aber meine gute Ausbildung als Sicherheit und da bin ich kurzzeitig zurück in den Job als Werkzeugmacher gegangen. Vor Corona hatte ich bereits viele Veranstaltungen im Brauclub organisiert und somit einen sehr guten Kontakt zum Inhaber gehabt. Da der alte Geschäftsführer aufgehört hatte, hat sich daraus die Möglichkeit ergeben und nun bin ich der neue Geschäftsführer im Brauclub

Brauclub Chemnitz

Also hat dir deine ursprüngliche Ausbildung die Sicherheit gegeben, den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen?

Absolut. Für mich war es immer wichtig eine solide Grundausbildung zu haben. Das kann dir dein Leben lang helfen. Mit dieser Ausbildung hatte ich dann die Sicherheit mich auszuprobieren und in die Selbstständigkeit zu gehen. Wenn sich nach ein paar Jahren gezeigt hätte, dass das nicht funktioniert, dann ist das nicht schlimm. Mund abputzen und weiter geht’s. Und genau so kam es mit Corona. Dort konnte ich auf das Gelernte zurückgreifen.

Du hast die Geschäftsführung übernommen als der Club wegen Corona geschlossen war. Wie war es, einen ruhenden Betrieb zu übernehmen?

Auf jeden Fall komisch. Zu der Zeit war wirklich alles geschlossen, auch das angeschlossene Restaurant. Aber im Nachhinein gesehen war es eine überragende Zeit. Ich hatte ein paar Monate Zeit, mich jeden Tag hinzusetzen, einzuarbeiten, den Betrieb kennen zu lernen und Ideen sowie Konzepte zu entwickeln. Das kann ein Vorteil gegenüber einem Einstieg im laufenden Betrieb sein. Dort bist du immer erstmal gezwungen, vorhandene Strukturen zu übernehmen. So war es möglich manche Strukturen aufzubrechen und mit der Wiedereröffnung viele Dinge neu zu machen.

Welche Bedeutung siehst du in den Chemnitzer Clubs nach dem langen Stillstand?

Eigentlich müsste man Corona schon fast dankbar sein, denn jeder Club oder Gastrobetrieb hatte einmal die Möglichkeit bekommen, sich von Grund auf neu zu erfinden. Sei es mit einem neuen Image, neuen Veranstaltungen oder anderen Künstlern. Man hatte auf jeden Fall genug Zeit, um alles was in der Vergangenheit schlecht war zu verbessern. Oftmals weißt du, wo es in deinem Betrieb hakt. Aber dir fehlt schlicht die Zeit etwa zu ändern. Im Grunde ist es für alle ein Neustart. Dadurch kann man seine Gäste an ganz andere Sachen heranführen, als wenn sie in einem gewohnten Rhythmus sind. Ein Beispiel ist die Musik. Es gibt viele junge Leute, die jetzt das erste Mal feiern gehen. Es ist unheimlich wichtig, denen zu zeigen, dass es auch Musik und Künstler gibt, die nicht in irgendeiner Spotify Playlist sind. Sondern da steht jemand am DJ-Pult und der spielt jetzt etwas, worüber er sich richtig Gedanken gemacht hat. Für diesen Mehrwert will ich sensibilisieren. Ansonsten könnte man ja einfach eine Playlist abspielen und eine Puppe hinstellen. Außerdem ist es wirklich wichtig, ein ausgeprägtes Nachangebot in der Stadt zu schaffen. Nur so kann man junge Leute in der Stadt halten und verhindern, dass alle am Wochenende nach Dresden oder Leipzig fahren. Klar spielen da auch Job- und Entwicklungschancen eine große Rolle. Aber wenn man in jungen Jahren eine gute Zeit hat, schafft das auch Identifikation mit der Stadt.

Nach der langen Unterbrechung haben die Gastronomie- und Veranstaltungsbranche große Schwierigkeiten Personal zu finden. Viele haben sich beruflich neu orientiert. Was hat die Branche für Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen noch zu bieten?

Es stimmt schon, man muss Gastronomie- und Veranstaltungsbranche wollen. Denn meist arbeitet man, wenn andere frei haben. Im Umkehrschluss ist es jedoch schnell und leicht verdientes Geld, vor allem als Nebenjob. Ohne große Einarbeitung kann es praktisch sofort losgehen und zusätzlich lässt sich oft auch ein gutes Trinkgeld verdienen.

Brauclub Chemnitz

Du hast einige Veränderungen vorgenommen, eine neue Türpolitik eingeführt und den Club klar mit den Werten Vielfalt und Toleranz verbunden. Was hat dich dazu bewegt, in dem Bereich eine neue Richtung einzuschlagen?

Ich habe zum einen an der Tür einen Selector eingestellt. Das kannte ich persönlich von vielen Clubs aus Berlin. Da steht jetzt ein Mensch an der Tür, der kurz mit den Gästen spricht und dann entscheidet, wer reinkommt und für wen es heute nicht passt. Das ist aus meiner Sicht keine Aufgabe für den Sicherheitsdienst. Dann gibt es eine Kleiderordnung. Männer dürfen nur mit langen Hosen rein. Das kommt aber daher, dass vor Corona die Männer teilweise angezogen waren, als würden sie sich gleich aufs Sofa legen wollen. Dabei geht es nicht um Markenklamotten, das ist vollkommen egal, sondern um eine angemessene Kleidung für eine Abendveranstaltung. Wir haben einfach beobachtet, dass sich viele Mädchen echt Mühe geben und sich für die Party schick machen. Und dann kommen die Jungs in Jogginghose. Das passt einfach nicht. Und dann gibt es noch unser Leitbild, welches sich ganz klar an Vielfalt und Toleranz richtet. Ich möchte, dass meine persönlichen Werte und die meiner Arbeit übereinstimmen. Diese Werte werden auch im Club klar kommuniziert und wer sich nicht daranhält, fliegt raus. Eigentlich sind das aus meiner Sicht Grundwerte, die jeder Mensch für ein harmonisches Zusammensein beachten sollte. Es gab in dem Zusammenhang tatsächlichen einen gewissen Publikumswechsel. Aber dadurch wird das Feiern immer entspannter und immer rücksichtsvoller. Klar, noch immer ausgelassen aber ohne Stress.

Du hast vor Kurzem das Projekt „Brauclub_hilft“ gestartet. Was kann man da erwarten?

Ich möchte jeden Monat ein soziales Projekt unterstützen. Dabei bin ich eigentlich kein Freund davon, wenn man etwas Soziales macht, das dann nach außen zu präsentieren. Das hat mir mein Dad so beigebracht: „Wenn du etwas Soziales machst, dann mach, aber rühme dich nicht damit.“ Deshalb habe ich auch lange bei der Seite hin und her überlegt. Ziel ist es aber, die Leute mitzunehmen und zu beteiligen. Wir wollen zeigen, dass es nicht weh tut, wenn man zwei oder drei Pullis bei uns abgibt, die wir dann entsprechend verteilen, wo sie gebraucht werden.

Du bist mit dem Brauclub Partner von JobSwop.io. Welche Chancen siehst du mit dem Jobtausch für deine Branche?

Ich bin ein Fan davon, wenn man neue Leute bekommt, die schon in anderen Unternehmen gearbeitet haben. Die bringen immer neue Einflüsse und Impulse mit, die dir bei der Verbesserung deines eigenen Unternehmens helfen können. Da werden auch wieder eingefahrene Strukturen aufgebrochen. Ich sehe in einer gewissen Fluktuation viele Vorteile, die dich einfach weiterbringen können.

 

DJ Snax

Rico "Snax" Rupf

Rico Rupf, besser bekannt als DJ Snax, startete seine berufliche Laufbahn als klassischer Maschinenbauer. Nachdem er sein Hobby zum Beruf gemacht hatte, ist er nun Geschäftsführer des Brauclub und eine feste Größe des Chemnitzer Nachtlebens.

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