Gesellschaftlicher Bedeutungswandel der Arbeit

Seit je her hat der Mensch in unterschiedlichsten Formen gearbeitet. Vom Jäger und Sammler aus wurden wir irgendwann sesshaft und haben mit der Landwirtschaft begonnen. Anschließend hat die Industrialisierung nochmals alles verändert. Begriffe wie Arbeiten 4.0 und New Work zeigen, dass sich die Form der Arbeit auch jetzt wieder verändert. Doch nicht nur die Form der Arbeit wandelt sich, auch die Bedeutung der Arbeit selbst und somit die gesellschaftlichen Beweggründe verändern sich im Laufe der Zeit. Um den Wandel des Arbeitsmarktes erfolgreich mitgestalten zu können, ist es wichtig zu verstehen was uns dazu bewegt arbeiten zu gehen. Außerdem erfahrt ihr, was ein gesellschaftlicher Bedeutungswandel der Arbeit mit dem Film „Cast Away – Verschollen“ zu tun hat.

Man arbeitet, weil man arbeiten gehen muss!?

Falsch! Genau genommen muss niemand arbeiten gehen. Doch spätestens, wenn das Geld zur Neige geht und wir Hunger bekommen, merken wir, dass sich da Bedürfnisse in uns breitmachen und wir diese befrieden müssen. Somit entsteht eine innere Motivation, die uns dazu bringt, etwas zu tun, um Essen zu bekommen.

Doch was passiert, wenn wir gegessen haben? Was kommt als nächstes? Bei der Beantwortung dieser Fragen hilft die Bedürfnispyramide des US-amerikanischen Psychologen Abraham Maslow. Er untersuchte was Menschen motiviert und teilte die Bedürfnisse in fünf aufeinanderfolgende Kategorien ein.

Bedürfnispyramide nach Maslow
Bedürfnispyramide nach Maslow

Schauen wir uns die einzelnen Kategorien einmal genauer an. Dazu versetzen wir uns in die Lage von Tom Hanks im Film „Cast Away – Verschollen“. Wir sind auf einer einsamen Insel gestrandet, haben keinerlei Versorgung bei uns und in der nächsten Zeit wird uns auch niemand finden.

Erste Ebene: Grund- und Existenzbedürfnisse

Die erste Ebene beschreibt alle Bedürfnisse, die für unsere Existenz grundlegend erforderlich sind. Dabei handelt es sich um Durst, Hunger und Schlaf.

Nachdem wir schließlich entkräftet die Insel erreicht haben, geht es zunächst darum etwas Trink- und Essbares zu finden. Andere Bedürfnisse, wie etwa eine neue Uhr, treten in diesem Augenblick vollkommen in den Hintergrund.

Zweite Ebene: Sicherheitsbedürfnisse

In der zweiten Ebene befinden sich die Sicherheitsbedürfnisse. Hier geht es um körperliche Sicherheit sowie den Schutz vor Gefahren und die Abwesenheit von Angst.

Wir haben nun gegessen und getrunken und sind in dieser Hinsicht zufrieden. Langsam wird es dunkel und wir machen uns auf die Suche nach einem geeigneten Lager für die Nacht. Schließlich wollen wir uns vor der Kälte und vor wilden Tieren schützen.

Dritte Ebene: Soziale Bedürfnisse

Da wir soziale Wesen sind, macht sich nun das Bedürfnis nach Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft bemerkbar. Wir suchen uns ein soziales Netzwerk. In diesem Falle haben wir die dritte Ebene der Pyramide erreicht.

Wir haben jetzt ein festes Lager mit einem Dach über dem Kopf und die Versorgung mit Nahrung ist auch geregelt. Leider sind wir allein auf der Insel, es gibt keine anderen Menschen. Tom Hanks bemalt im Film einen Volleyball mit einem Gesicht, baut eine Beziehung auf und tauscht sich aus.

Vierte Ebene: Ich-Bedürfnisse

Nachdem wir nun in einem sozialen Netzwerk angekommen sind, macht sich ein weiteres Bedürfnis in uns breit: das Bedürfnis nach Anerkennung. Das beinhaltet zu einem Selbstbewusstsein sowie Selbstvertrauen und zum anderen die Anerkennung durch andere Personen.

Ab diesem Moment reden wir nicht nur mit unserem Volleyball-Freund, sondern wir wollen auch von ihm bewundert werden. Wir wollen Lob und Anerkennung für unser Handeln. Wir fangen an uns zu vergleichen und zu rechtfertigen.

Fünfte Ebene: Selbstverwirklichung

Die Spitze der Pyramide ist die Selbstverwirklichung. Ab jetzt dreht sich alles um die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit. Das kann unterschiedlichste Formen annehmen, von der Auslebung einer kreativen Ader bis hin zur Entfaltung eines ausgeprägten Erfindergeistes.

Haben wir über einen langen Zeitraum hinweg akzeptiert diese Insel wohl nie wieder zu verlassen, kommen wir schließlich an den Punkt es doch zu versuchen. Wir werden kreativ und erfinderisch, bauen uns ein Boot, studieren das Meer, überwinden unsere Angst und verlassen diese Insel.

Der Vollständigkeit halber ist noch zu erwähnen, dass die ersten vier Ebenen als Defizitbedürfnisse bezeichnet werden. Sie motivieren uns so lange bis das Bedürfnis befriedigt ist. Aus diesem Grund wirken sich zusätzliche Urlaubstage auch nur kurz motivierend auf unsere Arbeitsmoral aus, wie in meinem Interview mit Tim Walter bereits beschrieben.

Die fünfte Ebene, die Selbstverwirklichung, bezeichnet man hingegen als Wachstumsbedürfnis. Diese kann nie vollständig befriedigt werden und dient somit als ständige Motivationsquelle.

Arbeit kommt direkt nach der Familie.

Das besagt zumindest die Umfrage der Bertelsmann-Stiftung Bedeutung der Arbeit. Wie die tatsächliche Umsetzung dieser Gewichtung im Alltag aussieht, geht dabei nicht hervor und soll auch gar nicht Thema dieses Beitrages sein. Dennoch, die Arbeit hat in Deutschland seit jeher einen sehr hohen Stellenwert.

Die Wertvorstellungen in Bezug auf die Arbeit können sich jedoch über die Zeit ändern. Das lässt sich besonders gut feststellen, wenn man die unterschiedlichen Generationen der Befragung betrachtet. Zur Vereinfachung werden die Altersgruppen in zwei Generationen aufgeteilt, die jüngere Generation von 18 bis 39 Jahre und die Ältere bis 60 Jahre.

Die ältere Generation gibt an, dass ihnen die Sicherheit des eigenen Arbeitsplatzes als sehr wichtig erscheint. Sie legen großen Wert darauf zu wissen, dass sie ihre Anstellung nicht verlieren werden. Das sieht bei den Jüngeren hingegen anders aus –  Sicherheit spielt hier eine geringere Rolle. Möglicherweise lässt sich das auf ein gesteigertes Bewusstsein gegenüber dem Wandel des Arbeitsmarktes zurückführen. Der Schwerpunkt bei der jüngeren Generation liegt vermehrt auf einem Gleichgewicht zwischen beruflicher Arbeit und Privatleben sowie der Bereitschaft für eine lebenslange Weiterbildung.

Was hat das nun mit dem Film „Cast Away – Verschollen“ zu tun?

Betrachtet man die oben genannten Wertevorstellungen so kann man feststellen, dass sich die beiden Generationen auf unterschiedlichen Ebenen der Pyramide von Maslow befinden. Sie haben unterschiedliche Bedürfnisse zu befrieden und gehen folglich aus unterschiedlichen Motivationen einer Arbeit nach.

Ähnlich wie sich Tom Hanks auf seiner Insel durch die Befriedung seiner Bedürfnisse von Ebene zu Ebene bewegt, entwickelt sich auch unsere Gesellschaft weiter. Als Inselbewohner verfügte er nach einiger Zeit über ausreichend Nahrung, errichtete sich ein passendes Dach über dem Kopf und fühlte sich nach einigen Jahren komplett vertraut mit seiner Umgebung. Nur dank dieser Entwicklung fand er ausreichend Motivation, um die Insel zu verlassen.

Und so ist auch in unserer Arbeitswelt: Wenn man ein ausgeklügeltes System hat, um Regenwasser aufzufangen, ist Durst keine Motivation mehr, um Kokosnüsse zu knacken. Die Bedeutung unserer Arbeit ändert sich. Sinn, Perspektive und Gemeinschaft rücken dabei mehr und mehr in den Vordergrund. Arbeit ist nicht mehr nur Mittel, um Grund- und Sicherheitsbedürfnisse zu befrieden. Ein Umfeld, in dem man sich wohlfühlt und mit dem man sich gern austauscht ist bereits jetzt in Bezug auf die Arbeitsstelle von großer Bedeutung. Jedoch die Sinnhaftigkeit unserer Arbeit und eine ausreichende Anerkennung für die erbrachte Leistung werden die nächsten bedeutenden Faktoren für die Motivation der Mitarbeiter sein. Wer das beherzigt und umsetzt, ist für den Wandel des Arbeitsmarktes gerüstet.

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